Heimliche Bewohner unserer Gewässer -
Flusskrebse!
Früher lebten
in den meisten Gewässern Mitteleuropas Flusskrebse; auch die Mehrzahl der Bäche,
Flüsse und stehenden Gewässer in Nordrhein-Westfalen war von ihnen besiedelt.
Flusskrebse gehören damit zum natürlichen Arteninventar unserer heimischen
Gewässer.
Als Ergebnis
der Einschleppung gebietsfremder Arten trat etwa 1860 in den europäischen
Flusskrebsbeständen – und zwar im Bereich des Flussgebietes des Po in
Oberitalien – erstmalig eine bis dahin unbekannte Krankheit auf, die sich
unaufhaltsam über ganz Mitteleuropa ausbreitete und in den 80-er Jahren des
vorigen Jahrhunderts auch die Britischen Inseln, Griechenland und die Türkei
sowie Norwegen erreichte. Bereits vor Ende des Jahrhunderts waren die
Edelkrebsbestände Mitteleuropas vielerorts ausgestorben. Diese verheerenden
Auswirkungen brachten der Krankheit den Namen „Krebspest“ ein.
Bei der
Krebspest handelt es sich um eine absolut tödlich verlaufende und nicht heilbare
Pilzerkrankung bei Flusskrebsarten nicht-amerikanischen Ursprungs-, die den
einheimischen Edelkrebs in seinem angestammten Lebensraum weitestgehend
ausgerottet hat. Für den Menschen ist diese Erkrankung allerdings völlig
ungefährlich!
Die Infektion
erfolgt über Zoosporen eines Fadenpilzes. Die Übertragung der Krankheitserreger
kann auf verschiedenen Wegen erfolgen, wie z.B.
-> durch Aussetzen infizierter Krebse in
öffentliche Gewässer
-> durch Wasservögel
-> durch Sportler und / oder Angler und deren
Gerätschaften
und
-> sonstige feuchte Anhaftungen
Amerikanische
Krebse sind resistent gegen die Krebspest und nachweislich die Hauptüberträger.
Sie tragen die Pilzporen lebenslang in ihrem Körper! Diese Krebse sollten
deshalb auch nicht in Teichen gehalten werden, da sie sehr mobil sind und durch
die Wanderung über Land zu nahe gelegenen Oberflächengewässern die Gefahr der
möglichen Infizierung besteht. Wird ein Gewässer mit einer Population von
einheimischen Krebsen infiziert, so sterben diese innerhalb von zwei Wochen zu
100%, d.h., jedes Gewässer, in dem amerikanische Flusskrebse vorkommen, ist für
unsere stark gefährdeten heimischen Flusskrebsarten (Edel- und Steinkrebs) als
Lebensraum verloren!
Zur Rettung
der wenigen verbliebenen Bestände einheimischer Krebse wurde vor einigen Jahren
das „Edelkrebsprojekt NRW“ ins Leben gerufen. Träger des Projektes sind der
Naturschutzbund Deutschland Landesverband NRW (NABU NRW) und der
Fischereiverband NRW. Die Finanzierung wird u.a. durch das Ministerium für
Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes
Nordrhein-Westfalen aus Mitteln aus der Fischereiabgabe sichergestellt.
Seit 2003
schult das „Edelkrebsprojekt NRW“ interessierte Personen zu sogenannten
„ehrenamtlichen Flusskrebskartierern“. Diese sollen im Rahmen ihrer
Möglichkeiten nach Flusskrebsen Ausschau halten, aber auch die Informationen
über die ganz spezielle Gefährdung der heimischen Flusskrebse durch die
„Krebspest“ mitnehmen und z.B. in Ihrem Verein oder Bekanntenkreis verbreiten.
Denn meist passieren die Fehler aus Unwissenheit mit z.T. verheerenden Folgen
für die heimische Tierwelt.
Auch zehn
Mitglieder des Sportfischerei-Vereins Ennepetal e.V. ließen sich im Frühjahr
vergangenen Jahr zu Kartierern ausbilden und sind seitdem häufig mit Reuse
und/oder Taschenlampe unterwegs, um Erkenntnisse über die nachtaktiven Tiere zu
gewinnen. Während im vergangenen Jahr die Ennepe untersucht wurde, konzentrieren
sich die Arbeiten in diesem Jahr auf die Nebenflüsse, wobei auch
Kleinstgewässer, die selbst vielen Einheimischen namentlich nicht bekannt sind
kartiert werden!
Die bisherigen
Ergebnisse in Ennepetal und Gevelsberg geben aber - schlimmer als zu
Projektbeginn befürchtet - Anlass zur Sorge: Besonders die sehr starke
Ausbreitung des amerikanischen Signalkrebses war vorher nicht bekannt. Auf Grund
der tlw. recht schwierigen Unterscheidung zum Edelkrebs wird diese Art in
Unkenntnis der Folgen immer noch in neue Gewässer ausgesetzt. Der Signalkrebs
verdrängt – wie schon gesagt - nicht nur heimische Flusskrebse und kann die
„Krebspest“ übertragen; sein massenhaftes Auftreten hat offensichtlich auch
negative Auswirkungen auf Fische und andere wasserlebende Organismen. Es gibt
aber schon einige Ansätze für Gegenmaßnahmen, die verfolgt werden sollten.
In den letzten
Jahren tauchten aber auch noch weitere v.a. aus Amerika stammende
Flusskrebsarten in unseren Gewässern auf. Inzwischen gibt es in den
nordrhein-westfälischen Gewässern sechs Krebsarten, von denen nur zwei
„einheimisch“ sind. Die „Exoten“ wurden meist von Aquarianern ausgesetzt. Soweit
sie bei uns geeignete Lebensräume vorfinden, breiten sie sich aus und verdrängen
die heimischen Arten bzw. stellen potentielle Krebspest-Überträger dar.
Der
amerikanische Kamberkrebs hat nahezu alle großen Fließgewässer, wie Rhein, Ruhr
und Lippe sowie die Kanäle besiedelt. Auch diese Art wurde durch den Menschen
auch in vielen Baggerseen (die sie aus eigener Kraft nicht erreicht hätte)
ausgesetzt. Damit entfällt ein weiterer guter Ersatzlebensraum für den
Edelkrebs!
Ähnlich sieht
es mit dem Roten Amerikanischen Sumpfkrebs aus, ebenfalls potentieller
Überträger der Krebspest. Dieser Krebs lebt in seiner Heimat auch in zeitweise
trockenfallenden Überschwemmungsgebieten und ist so am besten in der Lage, aktiv
über Land neue Gewässer zu besiedeln. Auch für NRW sind derartige Abwanderungen
aus Gewässern belegt. Da beide Arten sehr dichte Bestände binden und sich weiter
ausbreiten, sind auch sie nicht nur eine Gefahr für die heimischen Flusskrebse.
Es ist zu befürchten, dass auch diese beiden Krebsarten bei noch massiverem
Auftreten für den Rückgang von anderen wasserlebenden Organismen verantwortlich
sein können.
Der ehemalige
Vorsitzende des Sportfischerei-Vereins Ennepetal und seine Kartierer lassen sich
aber nicht entmutigen, denn jüngst wurde von den Kartierern Marian Rothe und
Dennis Schweer in einem kleinen Zufluss ein Edelkrebsbestand entdeckt, den es zu
schützen gilt! Der Name dieses Gewässers soll aber aus verständlichen Gründen
nicht genannt werden!
weitere Informationen unter:
www.edelkrebsprojekt NRW.de